Kurz beantwortet: Braucht ein Anhänger eine eigene eVB-Nummer?
Ja. Jeder zulassungspflichtige Anhänger braucht eine eigene Kfz-Haftpflichtversicherung und damit eine eigene eVB-Nummer, und zwar unabhängig vom Gewicht. Die Versicherung des Zugfahrzeugs ersetzt diesen Nachweis bei der Zulassungsstelle nicht. Die Haftpflicht für einen 750-kg-Anhänger gibt es laut Allianz (Stand 2026) ab 35 € im Jahr, die Kfz-Steuer beträgt 7,46 € je angefangene 200 kg Gesamtgewicht.
Ausnahmen gelten nur für die in § 3 Abs. 3 FZV genannten zulassungsfreien Anhänger, etwa reine Sportanhänger. Dieser Ratgeber erklärt Pflicht, Haftung im Gespann, Kosten und die Zulassung Schritt für Schritt.
Was ist die eVB-Nummer für Anhänger?
Die elektronische Versicherungsbestätigung (eVB) ist ein siebenstelliger Code, den der Versicherer nach Vertragsabschluss ausgibt. Die Zulassungsstelle ruft damit ab, dass für genau dieses Fahrzeug eine Haftpflicht besteht. Ein Anhänger ist dabei ein eigenes Fahrzeug mit eigenem Kennzeichen, eigener Zulassungsbescheinigung und eigenem Vertrag.
Für den Anhänger schließen Sie deshalb einen separaten Vertrag ab, auch wenn Ihr Auto beim gleichen Versicherer läuft. Wie lange der Code nach der Ausgabe nutzbar ist, lesen Sie im Ratgeber Gültigkeit der eVB-Nummer.
Rechtliche Grundlage: FZV, PflVG und StVG
- Zulassungspflicht: Nach § 3 Abs. 1 FZV dürfen Kraftfahrzeuge und ihre Anhänger auf öffentlichen Straßen nur zugelassen fahren. Eine Gewichtsgrenze gibt es dafür nicht.
- Versicherungspflicht: § 1 PflVG verpflichtet den Halter zur Haftpflicht. § 1a PflVG zählt ausdrücklich jeden Anhänger dazu, ob angekuppelt oder abgekuppelt.
- Halterhaftung: § 19 StVG regelt die Haftung bei Unfällen mit Anhängern und Gespannen.
- Steuer: § 9 KraftStG legt für Anhänger 7,46 € je angefangene 200 kg Gesamtgewicht fest, höchstens 373,24 € im Jahr.
Welche Anhänger sind zulassungsfrei?
§ 3 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 FZV nennt abschließend die Anhänger, die keine Zulassung brauchen. Dazu gehören unter anderem:
- Land- und Forstwirtschaft: Anhänger in land- oder forstwirtschaftlichen Betrieben, wenn sie mit einem 25-km/h-Schild gekennzeichnet sind
- Sportanhänger: Spezialanhänger nur für Sportgeräte, Tiere für Sportzwecke oder Rettungsboote
- Kraftrad-Anhänger: einachsige Anhänger hinter Krafträdern
- Schausteller: Wohn- und Packwagen im Schaustellergewerbe mit 25-km/h-Kennzeichnung
- Einsatzanhänger: Anhänger von Feuerwehr, Zivil- und Katastrophenschutz
Der normale Kasten-, Plattform- oder Autotransportanhänger fällt nicht darunter, auch nicht mit 500 kg ohne Bremse. Sportanhänger brauchen trotz Zulassungsfreiheit eine Betriebserlaubnis und ein eigenes Kennzeichen mit grüner Schrift (§ 4 FZV). Laut ADAC (Stand 08.09.2025) sind sie steuerfrei und nicht haftpflichtpflichtig, solange sie ausschließlich zum begünstigten Zweck fahren. Wer den Pferdeanhänger für einen Umzug nutzt, verliert diesen Status.
Haftung im Gespann: Wer zahlt bei einem Unfall?
Viele Halter fragen, warum sie zwei Verträge brauchen, wenn das Auto den Anhänger zieht. Die Antwort liegt in der Aufteilung der Haftung:
- Angekuppelt: Nach den GDV-Musterbedingungen (AKB 2015, Stand 30.04.2025, Ziffer A.1.1.5) erstreckt sich die Haftpflicht des Zugfahrzeugs auf den verbundenen Anhänger. Gegenüber dem Geschädigten haften beide Halter als Gesamtschuldner (§ 19 Abs. 2 StVG).
- Innenverhältnis: Untereinander trägt grundsätzlich der Halter des Zugfahrzeugs den Schaden allein. Nur wenn sich eine höhere Gefahr des Anhängers verwirklicht, wird aufgeteilt (§ 19 Abs. 4 StVG).
- Abgekuppelt: Rollt ein abgestellter Anhänger gegen ein parkendes Auto, zahlt die Haftpflicht des Anhängers (§ 19 Abs. 6 StVG).
- Eigener Anhänger: Schäden am eigenen Anhänger zahlt die Haftpflicht des Zugfahrzeugs nie (AKB A.1.5.4). Dafür brauchen Sie eine Kasko für den Anhänger.
Ein Unfall mit dem Gespann belastet deshalb in der Regel die SF-Klasse des Zugfahrzeugs, nicht den Anhängervertrag.
Kosten: Versicherung und Kfz-Steuer im Überblick
Anhänger werden meist ohne Schadenfreiheitsklassen versichert. Allianz und ADAC Autoversicherung sehen für Anhänger keine SF-Einstufung vor. Der Beitrag richtet sich nach Aufbau, zulässigem Gesamtgewicht und Wert. Die Steuer berechnet sich nach § 9 KraftStG.
| Anhänger (zul. Gesamtgewicht) | Haftpflicht ab (Allianz, Stand 2026) | Kfz-Steuer pro Jahr | HU-Intervall |
|---|---|---|---|
| bis 750 kg | 35 € | 29,84 € (4 × 7,46 €) | erste nach 36 Monaten, dann 24 |
| 1.300 kg | 47 € | 52,22 € (7 × 7,46 €) | 24 Monate |
| 1.500 kg | 47 € | 59,68 € (8 × 7,46 €) | 24 Monate |
| 2.000 kg | 72 € | 74,60 € (10 × 7,46 €) | 24 Monate |
| 3.500 kg | 72 € | 134,28 € (18 × 7,46 €) | 24 Monate |
| über 3,5 t | individuell | max. 373,24 € | 12 Monate |
Die Einstiegsbeiträge sind Mindestpreise eines Anbieters; andere Versicherer und Zusatzbausteine liegen darüber. Die HU-Fristen stammen aus Anlage VIII StVZO. Für einen 750-kg-Anhänger nennt die Allianz zusätzlich Teilkasko ab 46 € und Vollkasko ab 53 € im Jahr.
Beispielrechnungen: Was ein Anhänger im Jahr kostet
Beispiel 1: Kastenanhänger 750 kg, ganzjährig
Annahmen: ungebremster Kastenanhänger, 750 kg zulässiges Gesamtgewicht, nur Haftpflicht, Beitrag 35 € (Einstiegspreis Allianz). Die Kfz-Steuer beträgt 4 × 7,46 € = 29,84 €. Laufende Kosten: 35 € + 29,84 € = 64,84 € im Jahr. Die HU fällt erst nach 36 Monaten an.
Beispiel 2: Wohnwagen 1.500 kg mit Saisonkennzeichen
Annahmen: Wohnwagen mit 1.500 kg, Saison 04 bis 10 (sieben Monate), Haftpflicht plus Teilkasko für angenommen 180 € im Jahr bei Ganzjahreszulassung. Die volle Steuer beträgt 8 × 7,46 € = 59,68 €. Mit Saisonkennzeichen zahlen Sie 7/12 davon, also 34,81 €. Bietet der Versicherer den Saisontarif anteilig an, sinkt der Beitrag auf rund 105 €. Zusammen: rund 140 € statt 239,68 €, eine Ersparnis von etwa 100 € im Jahr. Wie Saisontarife genau kalkuliert werden, zeigt der Ratgeber Saisonkennzeichen und Versicherung.
Teilkasko und Vollkasko: Wann sich der Zusatzschutz lohnt
Die Kasko schützt Ihren eigenen Anhänger. Bei einem Lastenanhänger mit 800 € Zeitwert lohnt sie sich selten. Bei Wohnwagen, Pferdeanhängern und Bootstrailern mit hohem Wert ist sie meist sinnvoll.
- Teilkasko: Diebstahl, Sturm, Hagel, Brand, Glasbruch und je nach Tarif Tierbiss
- Vollkasko: zusätzlich selbst verschuldete Unfälle und Vandalismus
- Rangierschäden: Schäden zwischen Zugfahrzeug und Anhänger ohne äußere Einwirkung sind nach AKB A.2 kein Unfallschaden
- Schutzbrief: Der Kfz-Schutzbrief des Autos umfasst nach AKB A.3 meist einen mitgeführten Wohnwagen-, Gepäck- oder Bootsanhänger
Sonderfälle: Wohnwagen, Tempo 100 und Wechselkennzeichen
Wohnwagen abmelden: Nach AKB H.1.3 gilt die beitragsfreie Ruheversicherung nicht für Wohnwagenanhänger. Wer den Wohnwagen im Winter abmeldet, sollte den Standschutz daher ausdrücklich vereinbaren. Für das Reisemobil gelten andere Regeln, siehe eVB-Nummer für Wohnmobile.
Tempo 100: Ohne Ausnahme dürfen Gespanne auf der Autobahn 80 km/h fahren. Für 100 km/h verlangt der ADAC-Ratgeber ein Zugfahrzeug bis 3,5 t mit ABS, Anhängerreifen mit Index mindestens L und jünger als sechs Jahre sowie passende Gewichtsverhältnisse. Nach der Prüfung wird die Eignung in die Papiere eingetragen und die Tempo-100-Plakette angebracht. Der ADAC nennt Gesamtkosten von 85 bis 110 €.
Wechselkennzeichen: Zwei Anhänger der Klasse O1 (bis 750 kg) können sich ein Wechselkennzeichen teilen. Ein Auto und ein Anhänger dürfen das nicht, weil beide Fahrzeuge derselben Klasse angehören müssen.
Führerschein: Mit Klasse B ziehen Sie Anhänger bis 750 kg oder schwerere, wenn das Gespann höchstens 3.500 kg wiegt. Darüber brauchen Sie B96 oder BE.
Schritt für Schritt: Anhänger mit eVB zulassen
- Anhängerversicherung vergleichen und abschließen, die eVB-Nummer erhalten Sie sofort per SMS oder E-Mail.
- Unterlagen sammeln: Ausweis, Zulassungsbescheinigung Teil II oder bei Neuware die COC-Bescheinigung, HU-Nachweis bei Gebrauchtanhängern.
- SEPA-Lastschriftmandat für die Kfz-Steuer ausfüllen.
- Termin bei der Zulassungsstelle buchen oder die Online-Zulassung nutzen, falls Ihre Behörde sie anbietet.
- Kennzeichen prägen lassen, Zulassung abholen und Plakette aufkleben lassen.
Die Gebühren legt jede Behörde im Rahmen der GebOSt fest. Das LABO Berlin nennt für die Online-Neuzulassung ab 22,22 € (Stand 2026), dazu kommen die Kennzeichenschilder. Den Ablauf im Detail beschreibt der Ratgeber Anmelden mit eVB-Nummer.
Häufige Fehler bei Anhänger und eVB
- eVB des Autos angeben: Die Zulassungsstelle lehnt ab, denn der Code gehört zu einem anderen Fahrzeug.
- Leichtgewicht unterschätzen: Auch ein 500-kg-Anhänger ohne Bremse muss zugelassen und versichert sein.
- Sportanhänger zweckentfremden: Transportfahrten mit grünem Kennzeichen verlieren Steuer- und Versicherungsfreiheit, ohne Zulassung und Haftpflicht sind sie unzulässig.
- Abgestellten Anhänger vergessen: Ein Anhänger im öffentlichen Raum braucht Zulassung und Versicherung, auch wenn er monatelang steht.
- HU verpassen: Die Prüfintervalle hängen vom Gewicht ab, über 3,5 t gilt der Jahrestakt.
Fazit: Eigener Vertrag, kleine Kosten
Ein zulassungspflichtiger Anhänger braucht immer einen eigenen Haftpflichtvertrag und eine eigene eVB-Nummer. Für einen 750-kg-Anhänger liegen Versicherung und Steuer zusammen oft unter 70 € im Jahr, bei Wohnwagen entscheidet vor allem der Kaskoschutz über den Preis. Im Kfz-Versicherungsvergleich finden Sie den passenden Tarif und erhalten die eVB-Nummer sofort per SMS oder E-Mail.





