Die Typklassen 2026 hat der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) am 9. September 2025 veröffentlicht: Für rund 5,9 Millionen Autofahrende steigt die Haftpflicht-Typklasse, für rund 4,5 Millionen sinkt sie, für etwa 32 Millionen (75 %) bleibt sie gleich. Grundlage sind die Schadenbilanzen der Jahre 2022 bis 2024 von rund 33.000 Automodellen. Die Spannen reichen in der Haftpflicht von 10 bis 25, in der Teilkasko von 10 bis 33 und in der Vollkasko von 10 bis 34.
Die neuen Klassen gelten für Neuverträge sofort und für bestehende Verträge ab der nächsten Hauptfälligkeit, meist zum 1. Januar 2026. Dieser Ratgeber zeigt, welche Modelle sich laut GDV und ADAC verändert haben, wie stark die Typklasse Ihren Beitrag beeinflusst und was Sie bei einer Hochstufung tun können.
Was ist eine Typklasse?
Die Typklasse ist ein Tarifmerkmal der Kfz-Versicherung für Pkw. Sie beschreibt, wie viele und wie teure Schäden ein bestimmtes Automodell im Durchschnitt verursacht, verglichen mit allen anderen Modellen. Maßgeblich ist der genaue Fahrzeugtyp, also Hersteller, Modell, Motorisierung und Ausführung. Ein VW Golf mit 110 kW kann deshalb anders eingestuft sein als ein Golf mit 85 kW.
Der GDV ermittelt für jedes Modell drei getrennte Klassen:
- Kfz-Haftpflicht (KH): 16 Klassen von 10 bis 25. Sie spiegeln die Schäden, die Fahrer dieses Modells anderen zugefügt haben.
- Teilkasko (TK): 24 Klassen von 10 bis 33. Hier zählen Diebstahl, Glasbruch, Wildunfälle und Naturereignisse wie Sturm oder Hagel.
- Vollkasko (VK): 25 Klassen von 10 bis 34. Sie erfassen zusätzlich selbst verschuldete Unfallschäden am eigenen Auto und Vandalismus.
Je höher die Klasse, desto höher ist der Schadenbedarf des Modells und in der Regel auch Ihr Beitrag.
Rechtliche Grundlage: Unverbindliche Statistik, verbindlicher Vertrag
Die Typklassenstatistik des GDV ist für die Versicherer unverbindlich. Jedes Unternehmen entscheidet selbst, ob und wie es die Werte übernimmt. Fast alle Anbieter nutzen die Statistik jedoch als Basis ihrer Tarife.
Verbindlich wird die Typklasse über Ihren Vertrag. Nach den GDV-Musterbedingungen AKB 2015 (Stand 30.04.2025) steht die Typklasse im Versicherungsschein. Ein unabhängiger Treuhänder prüft jährlich, ob sich der Schadenbedarf Ihres Fahrzeugtyps im Verhältnis zu allen Typen verändert hat (AKB J.1). Die daraus folgende Beitragsänderung wird mit Beginn des nächsten Versicherungsjahres wirksam. Die Klassengrenzen legt der Versicherer im Anhang 3 seiner AKB fest, dort als Schadenbedarfs-Indexwerte je Klasse.
Wichtig: Typklassen gibt es laut AKB-Anhang 3 nur für Pkw, Taxen und Mietwagen. Motorräder werden meist nach Hubraum oder Leistung eingestuft. Mehr dazu im Ratgeber Motorradversicherung Vergleich 2026.
Typklassen 2026 in Zahlen
Laut GDV-Medieninformation vom 9. September 2025 ändert sich für gut zehn Millionen Autofahrende die Haftpflicht-Typklasse. Große Sprünge sind nach Angaben des Verbands die Ausnahme. Nur wenige Modelle steigen oder fallen um mehr als eine Klasse.
- Höher eingestuft: rund 5,9 Millionen Autofahrende in der Kfz-Haftpflicht
- Niedriger eingestuft: rund 4,5 Millionen Autofahrende
- Unverändert: rund 32 Millionen, das sind etwa 75 %
- Datenbasis: rund 33.000 Modelle, Schadenjahre 2022 bis 2024
Als Beispiele für eher niedrige Klassen nennt der GDV kleine und ältere Modelle wie den Hyundai i10 1.1 und den Opel Corsa-D 1.4. Hohe Klassen haben laut GDV unter anderem Oberklassefahrzeuge und große SUV wie der BMW 730d und der Jeep Grand Cherokee 3.6.
Tabelle: Gewinner und Verlierer 2026
Die folgende Auswahl stammt aus der Typklassen-Übersicht des ADAC (Stand 10.11.2025) auf Basis der GDV-Statistik. In Klammern steht die Veränderung gegenüber 2025, ein Strich bedeutet keine Änderung.
| Modell | Haftpflicht | Vollkasko | Teilkasko | Tendenz |
|---|---|---|---|---|
| Renault Austral 1.3 | 21 (+3) | 21 (–) | 24 (+2) | teurer |
| Ford Focus 1.0 | 16 (+2) | 19 (–) | 23 (–) | teurer |
| Mercedes-Benz GLA 250 e | 17 (+2) | 21 (+1) | 20 (+1) | teurer |
| VW Touareg 3.0 TDI | 22 (+2) | 26 (–) | 27 (+1) | teurer |
| Toyota Yaris Cross Hybrid 1.5 | 16 (+1) | 20 (+2) | 24 (+2) | teurer |
| Audi Q3 45 TFSI e | 18 (+1) | 20 (+1) | 22 (+1) | teurer |
| Škoda Karoq 1.6 TDI | 14 (+1) | 18 (+1) | 22 (+1) | teurer |
| Renault Clio 1.3 | 18 (−2) | 20 (–) | 21 (–) | günstiger |
| VW ID.4 Pure 125 | 14 (−2) | 20 (−1) | 21 (–) | günstiger |
| BMW iX1 xDrive 30 | 14 (−2) | 21 (−2) | 23 (–) | günstiger |
| Ford Focus ST 2.3 | 16 (−2) | 21 (−1) | 25 (–) | günstiger |
| Mercedes-Benz SLK 200 Roadster | 12 (−1) | 16 (−1) | 17 (−2) | günstiger |
| Fiat 500 Abarth 1.4 T-Jet | 11 (−1) | 17 (−1) | 24 (−1) | günstiger |
Auffällig: Der Renault Austral 1.3 steigt in der Haftpflicht um drei Klassen, den größten Sprung dieser Auswahl. Unter den Elektroautos profitieren der VW ID.4 Pure 125 und der BMW iX1 xDrive 30 mit je zwei Klassen weniger in der Haftpflicht. Eine allgemeine Aussage, dass Elektroautos günstiger werden, trifft der GDV nicht. Was bei E-Autos sonst zu beachten ist, lesen Sie im Ratgeber eVB-Nummer für Elektroautos.
So berechnet der GDV die Typklasse
Der GDV betrachtet die Schäden und Reparaturkosten der letzten drei Jahre, für 2026 also 2022 bis 2024. Entscheidend ist der Schadenbedarf: der durchschnittliche Schadenaufwand pro versichertem Fahrzeug eines Typs. Er ergibt sich aus zwei Größen:
- Schadenhäufigkeit: Wie oft melden Halter dieses Modells einen Schaden?
- Schadenhöhe: Wie teuer ist ein Schaden im Durchschnitt, etwa durch Ersatzteilpreise, Sensorik oder Lackierung?
Der Schadenbedarf eines Modells wird ins Verhältnis zum Durchschnitt aller Modelle gesetzt. Aus diesem Indexwert ergibt sich die Klasse. Verursacht ein Modell vergleichsweise wenige und günstige Schäden, erhält es laut GDV eine niedrige Typklasse, bei vielen Schäden und hohen Leistungen eine hohe. Die Klasse bewertet also das Modell, nicht Sie als Fahrer. Ihr persönlicher Schadenverlauf fließt über die SF-Klasse ein.
Neue Modelle ohne eigene Schadenstatistik stuft der GDV zunächst anhand vergleichbarer Fahrzeuge ein. Nach einigen Jahren im Bestand ersetzen echte Schadendaten diese Ersteinstufung.
Wie stark wirkt sich die Typklasse auf den Beitrag aus?
Einen festen Euro-Betrag pro Klasse gibt es nicht. Jeder Versicherer legt eigene Beitragssätze je Typklasse fest. Zusätzlich wirken Regionalklasse, SF-Klasse, Fahrleistung, Fahrerkreis und Selbstbeteiligung. Der GDV betont deshalb, dass eine neue Typklasse allein nichts über die Entwicklung Ihres Gesamtbeitrags aussagt.
Beispielrechnung 1: Hochstufung in der Haftpflicht
Annahmen für dieses Beispiel: Ihr Auto steigt wie der Ford Focus 1.0 in der Haftpflicht von 14 auf 16. Ihr Haftpflichtbeitrag lag 2025 bei 380 €. Ihr Versicherer erhöht wegen der Hochstufung um 8 %, alle anderen Merkmale bleiben gleich.
- Mehrbeitrag Haftpflicht: 380 € × 8 % = 30,40 €
- Neuer Haftpflichtbeitrag: rund 410 € im Jahr 2026
- Vollkasko und Teilkasko: unverändert, weil sich dort die Klasse nicht ändert
Findet ein Vergleich für dasselbe Auto einen gleichwertigen Tarif für 350 €, sparen Sie 60 € im Jahr gegenüber dem erhöhten Beitrag.
Beispielrechnung 2: Typklassen vor dem Autokauf vergleichen
Annahmen für dieses Beispiel: Sie schwanken zwischen zwei Kompakt-SUV. Modell A liegt in der Vollkasko in Klasse 18, Modell B in Klasse 21. Ein Angebot mit gleicher SF-Klasse, Region und Selbstbeteiligung ergibt 690 € für Modell A und 840 € für Modell B im Jahr.
- Differenz pro Jahr: 840 € − 690 € = 150 €
- Über fünf Jahre Haltedauer: 5 × 150 € = 750 €
Die Zahlen sind angenommen. Holen Sie vor dem Kauf konkrete Angebote für beide Modelle ein, am besten mit HSN und TSN aus dem Fahrzeugschein oder dem Kaufangebot.
Eigene Typklasse herausfinden
- Versicherungsschein oder Beitragsrechnung prüfen: Dort steht die Typklasse für Haftpflicht und Kasko, bei Bestandsverträgen meist in der Rechnung für das neue Jahr.
- HSN und TSN notieren: Die Herstellerschlüsselnummer steht in Feld 2.1, die Typschlüsselnummer in Feld 2.2 der Zulassungsbescheinigung Teil I.
- Online abfragen: Auf typklasse.de und in der Typklassenabfrage des GDV-Portals dieversicherer.de finden Sie die Einstufung per Schlüsselnummer oder über Marke, Modell und Leistung.
- Vorjahr vergleichen: Legen Sie alte und neue Rechnung nebeneinander. So sehen Sie, ob die Erhöhung von der Typklasse, der Regionalklasse oder einer Tarifanpassung stammt.
Sonderkündigungsrecht bei Hochstufung
Steigt Ihr Beitrag wegen einer neuen Typklasse, dürfen Sie innerhalb eines Monats nach Zugang der Mitteilung kündigen (§ 40 VVG, AKB G.2.7 in Verbindung mit J.4). Der Versicherer muss Sie spätestens einen Monat vor Wirksamwerden informieren und auf das Kündigungsrecht hinweisen. Das gilt für die Haftpflicht und entsprechend für die Kasko.
Ändern sich Typklasse, Regionalklasse und Tarif gleichzeitig, zählt die Summe. Nur wenn der Beitrag insgesamt steigt, besteht das Sonderkündigungsrecht (AKB J.4). Kein Sonderkündigungsrecht haben Sie, wenn der Beitrag wegen einer SF-Rückstufung nach eigenem Schaden steigt. Unabhängig davon können Sie regulär zum Ende des Versicherungsjahres kündigen, bei Verträgen bis 31. Dezember also bis zum 30. November. Fristen, Form und Muster erklärt der Ratgeber Kfz-Versicherung kündigen.
Typklasse und Regionalklasse: Der Unterschied
Die Typklasse bewertet Ihr Automodell, die Regionalklasse den Zulassungsbezirk Ihres Wohnorts. Beide berechnet der GDV jährlich aus Schadendaten, und beide wirken gleichzeitig auf den Beitrag. Die Regionalklassen für 2027 hat der GDV am 9. September 2026 veröffentlicht: Laut GDV verbessert sich die Regionalklasse für 5,2 Millionen Autofahrende aus 63 Bezirken und steigt für 4,8 Millionen aus 46 Bezirken. Details finden Sie im Ratgeber Regionalklassen.
Für das Versicherungsjahr 2027 erscheint auch eine neue Typklassenstatistik. Prüfen Sie deshalb im Herbst 2026 Ihre Beitragsrechnung für 2027 und vergleichen Sie die Klassen mit den Werten aus diesem Ratgeber.
Spar-Tipps bei hoher Typklasse
- Vergleichen statt hinnehmen: Versicherer bewerten dieselbe Typklasse unterschiedlich. Ein Anbieterwechsel gleicht eine Hochstufung oft aus.
- Selbstbeteiligung anpassen: Eine höhere Selbstbeteiligung in der Kasko senkt den Beitrag, lohnt sich aber nur mit Rücklagen.
- Werkstattbindung prüfen: Tarife mit Partnerwerkstatt sind meist günstiger als freie Werkstattwahl.
- Kaskoumfang überdenken: Bei älteren Autos mit geringem Zeitwert kann Teilkasko statt Vollkasko reichen.
- Fahrerkreis und Fahrleistung realistisch angeben: Beides beeinflusst den Beitrag stärker als eine einzelne Typklassenstufe.
Häufige Fehler
- Typklasse mit SF-Klasse verwechseln: Die Typklasse betrifft das Modell, die SF-Klasse Ihren persönlichen Schadenverlauf.
- Mitteilung ungelesen ablegen: Die Monatsfrist für die Sonderkündigung läuft ab Zugang, nicht ab Jahreswechsel.
- Nur die Haftpflicht ansehen: Ein Modell kann in der Haftpflicht fallen und in der Teilkasko steigen.
- Falsche Schlüsselnummer nutzen: Schon eine andere Motorisierung ändert die Klasse. Nehmen Sie immer HSN und TSN aus Ihren Papieren.
- Ohne Anschlussvertrag kündigen: Schließen Sie den neuen Vertrag vor dem Ende des alten ab, damit kein Tag ohne Pflichtversicherung entsteht.
Fazit
Für drei von vier Autofahrenden bleibt die Typklasse 2026 gleich. Wer zu den rund 5,9 Millionen mit Hochstufung gehört, sollte die Beitragsmitteilung prüfen und innerhalb eines Monats vergleichen. Oft gleicht ein anderer Tarif den Mehrbeitrag aus. Prüfen Sie jetzt im Kfz-Versicherungsvergleich, was Ihr Modell bei anderen Versicherern kostet, und erhalten Sie nach Abschluss Ihre eVB-Nummer sofort.





