SF-Klasse übertragen: die Antwort in Kürze
Eltern können ihre Schadenfreiheitsklasse auf ihr Kind übertragen, aber nur für so viele Jahre, wie das Kind einen Führerschein besitzt und das Auto der Eltern überwiegend selbst gefahren hat. Die Eltern geben ihren Rabatt dabei vollständig auf, nicht genutzte Jahre verfallen. Grundlage sind die Versicherungsbedingungen (AKB), ein gesetzlicher Anspruch besteht nicht.
Die Übertragung lohnt sich vor allem, wenn Eltern oder Großeltern das Autofahren aufgeben und das Kind schon einige Jahre Fahrpraxis hat. Für Fahranfänger ohne Fahrpraxis bringt sie nichts. Welche Alternativen es für junge Fahrer gibt, lesen Sie im Ratgeber eVB-Nummer für Fahranfänger.
Was ist die Schadenfreiheitsklasse?
Die SF-Klasse bildet ab, wie viele Kalenderjahre ein Vertrag in der Kfz-Haftpflicht und in der Vollkasko ohne Schaden verlaufen ist. Aus der SF-Klasse ergibt sich der Beitragssatz, also der Prozentsatz vom Tarifbeitrag. Die Teilkasko hat keine SF-Klasse. Jedes schadenfreie Jahr bringt eine Stufe höher, ein Schaden führt zur Rückstufung.
Die Beitragssätze legt jeder Versicherer selbst fest. Die Musterbedingungen des GDV (AKB 2015, Stand 30.04.2025) lassen die Tabelle bewusst offen. Wie sich die Klassen im Detail auswirken, erklärt der Ratgeber Schadenfreiheitsrabatte sparen.
Rechtliche Grundlage: AKB I.6 statt Gesetz
Die Übertragung heißt in den Bedingungen Übernahme des Schadenverlaufs einer anderen Person (AKB I.6.1.3 in der GDV-Fassung). Das Versicherungsvertragsgesetz regelt sie nicht. Maßgeblich sind die AKB des Versicherers, bei dem das Kind den neuen Vertrag abschließt. Nach dem GDV-Muster gelten diese Voraussetzungen:
- Überwiegende Nutzung: Das Kind hat das Fahrzeug der Eltern überwiegend gefahren. Übernommen wird nur dieser Zeitraum (AKB I.6.2.3).
- Personenkreis: Ehepartner, eingetragene Lebenspartner, Lebenspartner in häuslicher Gemeinschaft, Eltern, Kinder und Arbeitgeber.
- Glaubhaftmachung: Erklärung in Textform von beiden Seiten und Kopie des Führerscheins. Ist der Übergeber verstorben, genügt die Erklärung des Kindes.
- Verzicht: Der Übergeber ist einverstanden und gibt seinen Schadenfreiheitsrabatt in vollem Umfang auf.
- Zeitgrenze: Die Nutzung darf nicht länger als eine vom Versicherer festgelegte Frist zurückliegen, bei der Barmenia (AKB Stand 10/2025) zum Beispiel zehn Jahre.
- Haftpflicht und Vollkasko zusammen: Beide Schadenverläufe werden nur gemeinsam übernommen (AKB I.6.2.2).
Viele Versicherer gehen über das Muster hinaus. Die Barmenia akzeptiert laut ihren AKB zusätzlich Schwiegereltern, Schwiegerkinder, Großeltern, Enkel und Geschwister sowie Stief-, Pflege- und Adoptivverhältnisse. Manche Anbieter verlangen dagegen einen gemeinsamen Haushalt. Prüfen Sie die Bedingungen deshalb vor dem Antrag.
Die Begrenzung: nur eigene Fahrjahre zählen
Der häufigste Irrtum: Das Kind erbt nicht einfach SF 25 vom Vater. Übertragen werden höchstens so viele schadenfreie Jahre, wie das Kind den Führerschein besitzt und das Auto des Übergebers überwiegend gefahren hat. Der ADAC nennt dazu das Beispiel eines Fahrers mit drei Jahren Fahrerlaubnis, der maximal drei Jahre übernehmen kann (Stand 07.05.2026).
- Vater hat SF 25, Tochter hat seit fünf Jahren den Führerschein.
- Die Tochter fuhr das Auto des Vaters seit drei Jahren überwiegend.
- Übertragen werden drei Jahre, die Tochter startet in SF 3. Die übrigen 22 Jahre verfallen.
Wie viele Jahre aus dem Begleiteten Fahren ab 17 zählen, regelt jeder Versicherer selbst. Rechnen Sie im Zweifel erst ab dem 18. Geburtstag, denn beim Begleiteten Fahren sitzt immer eine Begleitperson im Auto.
Beitragssätze im Vergleich: Tabelle
Die folgende Tabelle zeigt die Beitragssätze für Pkw aus den AKB der Barmenia (Stand 10/2025). Andere Versicherer weichen ab, die Größenordnung ist aber typisch. Die Tabelle dient als Rechenbasis für die Beispiele weiter unten.
| SF-Klasse | Haftpflicht | Vollkasko | Typischer Fall |
|---|---|---|---|
| SF 0 | 100 % | 60 % | Neuling ohne Sonderregel |
| SF ½ | 75 % | 54 % | Führerschein seit mindestens drei Jahren |
| SF 1 | 63 % | 47 % | ein schadenfreies Jahr |
| SF 3 | 53 % | 43 % | drei übertragene Jahre |
| SF 4 | 50 % | 41 % | vier übertragene Jahre |
| SF 6 | 44 % | 39 % | sechs übertragene Jahre |
| SF 10 | 36 % | 34 % | zehn schadenfreie Jahre |
| SF 15 | 30 % | 30 % | langjähriger Fahrer |
| SF 25 | 23 % | 24 % | typische Eltern-SF |
Wichtig für den Vergleich: Wer seit mindestens drei Jahren einen Führerschein hat, startet ohne Übertragung nach dem GDV-Muster nicht in SF 0, sondern in SF ½ (AKB I.2.2.1). Der Vorteil der Übertragung ist daher kleiner, als viele erwarten.
Beispielrechnung 1: Vater gibt das Auto ab
Annahmen: Der Vater, 72 Jahre, gibt seinen Führerschein ab und hat SF 30. Die Tochter, 24 Jahre, hat den Führerschein seit sechs Jahren und fuhr sein Auto seit vier Jahren überwiegend. Für ihr eigenes Auto beträgt der Tarifbeitrag (100 %) 1.000 € in der Haftpflicht und 900 € in der Vollkasko. Beitragssätze wie in der Tabelle.
- Ohne Übertragung (SF ½): 750 € Haftpflicht plus 486 € Vollkasko ergeben 1.236 € im Jahr.
- Mit Übertragung (SF 4): 500 € Haftpflicht plus 369 € Vollkasko ergeben 869 € im Jahr.
- Ersparnis im ersten Jahr: 367 €.
- Zweites Jahr: SF 1 kostet 1.053 €, SF 5 kostet 820 €. Die Ersparnis beträgt 233 €, zusammen also 600 € in zwei Jahren.
Die restlichen 26 Jahre des Vaters verfallen. Da er nicht mehr fährt, verliert die Familie dadurch nichts.
Beispielrechnung 2: Mutter fährt weiter
Annahmen: Die Mutter hat SF 15 und fährt ihr Auto weiter. Ihr Tarifbeitrag in der Haftpflicht beträgt 800 €. Der Sohn, 22 Jahre, hat seit vier Jahren den Führerschein und fuhr ihr Auto drei Jahre überwiegend. Für sein eigenes Auto beträgt der Tarifbeitrag in der Haftpflicht 1.100 €. Gerechnet wird nur die Haftpflicht.
- Sohn ohne Übertragung (SF ½): 825 € im Jahr.
- Sohn mit Übertragung (SF 3): 583 € im Jahr, er spart 242 €.
- Mutter vorher (SF 15): 240 € im Jahr.
- Mutter nachher (SF ½): 600 € im Jahr, sie zahlt 360 € mehr.
Unter dem Strich zahlt die Familie 118 € mehr im Jahr. Die Übertragung lohnt sich also meist nur, wenn der Übergeber kein Auto mehr versichert. Je nach Versicherer landet der Übergeber sogar in SF 0 statt SF ½.
Sonderfälle: Zweitwagen, Todesfall, Motorrad
Zweitwagen-Strategie
Wollen die Eltern ihren Rabatt behalten, melden sie oft ein zweites Auto auf sich an, das überwiegend das Kind fährt. Nach dem GDV-Muster startet ein Zweitwagen des Versicherungsnehmers oder seines Partners in SF 1, wenn der Erstwagen mindestens SF 1 hat (AKB I.2.2.2). Einige Versicherer gewähren eigene Kinderregeln, die Barmenia zum Beispiel SF ½, wenn ein Elternteil ein Auto mit mindestens SF ½ versichert hat. Später können die Eltern den Schadenverlauf dieses Zweitwagens auf das Kind übertragen und behalten den Rabatt des Erstwagens.
Übertragung nach einem Todesfall
Ist ein Elternteil verstorben, reicht nach dem GDV-Muster die Erklärung des Kindes. Achten Sie auf die Zeit: Liegt die Unterbrechung des Versicherungsschutzes über zwölf Monate, zieht der Versicherer pro weiterem angefangenen Kalenderjahr ein schadenfreies Jahr ab. Nach mehr als sieben Jahren verfällt der schadenfreie Verlauf (AKB I.6.3.1).
Vom Pkw auf das Motorrad
Pkw und Krafträder gehören zur selben Fahrzeuggruppe (AKB I.6.2.1). Eine Übertragung ist also möglich, setzt aber ebenfalls voraus, dass das Kind das Fahrzeug der Eltern überwiegend gefahren hat.
Antrag Schritt für Schritt
- Bedingungen prüfen: Akzeptiert der neue Versicherer den Übergeber (Großeltern, Geschwister, Haushalt)?
- Übertragungserklärung besorgen: Das Formular heißt meist Rabattübertragung oder Übernahme des Schadenverlaufs. Beide Seiten unterschreiben.
- Nachweise beilegen: Kopie des Führerscheins, bei Bedarf Geburtsurkunde oder Heiratsurkunde als Verwandtschaftsnachweis.
- Neuen Vertrag abschließen: Im Antrag Vertragsnummer und Versicherer des Übergebers angeben. Der neue Versicherer fragt den Schadenverlauf beim Vorversicherer ab.
- eVB-Nummer nutzen: Mit der eVB-Nummer melden Sie das Auto an. Die Einstufung wird oft erst nach der Rückmeldung des Vorversicherers bestätigt.
- Vertrag des Übergebers regeln: Fährt der Übergeber weiter, wird sein Vertrag neu eingestuft. Gibt er das Auto ab, meldet er es ab oder verkauft es.
Häufige Fehler
- Zu hohe Erwartung: Das Kind bekommt nicht die SF-Klasse der Eltern, sondern nur die Jahre seiner eigenen überwiegenden Nutzung.
- Übergeber fährt weiter: Der Rabatt ist unwiderruflich weg, wie Beispielrechnung 2 zeigt.
- Frist verpasst: Liegt die Nutzung zu lange zurück oder ruht der Vertrag über sieben Jahre, ist nichts mehr zu holen.
- Nur Haftpflicht übertragen wollen: Haftpflicht und Vollkasko gehen nach dem GDV-Muster nur zusammen über.
- Falsche Angaben: Wer eine überwiegende Nutzung erklärt, die es nicht gab, riskiert Nachforderungen des Versicherers.
- Schadenhistorie ignoriert: Das Kind übernimmt auch Schäden aus dem übertragenen Zeitraum. Wie eine Rückstufung wirkt, zeigt der Ratgeber Rückstufung nach Unfall.
Wann lohnt sich welche Lösung?
- Eltern oder Großeltern hören auf zu fahren: Übertragung auf das Kind, das das Auto zuletzt überwiegend gefahren hat.
- Eltern fahren weiter: Zweitwagen auf die Eltern, Übertragung erst, wenn dieser Zweitwagen abgegeben wird.
- Kind hat weniger als ein Jahr Fahrpraxis: Übertragung bringt nichts, Zweitwagen- oder Kinderregel des Versicherers nutzen.
- Mehrere Kinder: Ein Schadenverlauf kann nur einmal abgegeben werden, entscheiden Sie deshalb, wer ihn nutzt.
Fazit
Die SF-Übertragung von Eltern auf Kind spart im Beispiel rund 370 € im ersten Jahr, wenn der Übergeber nicht mehr fährt und das Kind einige Jahre Fahrpraxis mit dessen Auto hat. Fährt der Übergeber weiter, kann die Familie insgesamt draufzahlen. Rechnen Sie beide Seiten durch und prüfen Sie die AKB des neuen Versicherers. Im Kfz-Versicherungsvergleich sehen Sie die Beiträge mit und ohne übernommene SF-Klasse und erhalten die eVB-Nummer direkt nach Abschluss.





